Electronic Training Village: News Electronic Training Village: Information Resources Electronic Training Village: Projects and Networks Electronic Training Village: Exchange of views Electronic Training Village: Search Electronic Training Village: Register Electronic Training Village: Help Electronic Training Village: Sitemap Electronic Training Village
Electronic Training Village: LibraryElectronic Training Village: Library 

Electronic Training Village: Library Library
Electronic Training Village: Bookshop Bookshop
Electronic Training Village: Cedefop Gallery Cedefop Gallery
Electronic Training Village: Training Organisations Training Organisations
Electronic Training Village: National Vet Systems National Vet Systems
Electronic Training Village: Cedefop Info Cedefop Info

BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND EnglishDeutschFrench
BIBB, Mai 1997
 

Zur Ausbildungsplatzsituation
Nach der vorliegenden aktuellen Halbjahresbilanz der Bundesanstalt für Arbeit für die laufende Lehrstellenvermittlung zeichnet sich eine drohende Lehrstellenlücke ab, wenn nicht noch Wege und Möglichkeiten gefunden werden, das Ausbildungsplatzangebot kurzfristig anzuheben. Denn zusätzlich zu den über 600.000 Lehrstellen werden dieses Jahr ca. weitere 13.000 Lehrstellen benötigt.

Neben bestehenden regionalen Disparitäten zeichnet sich eine äußerst schwierige Lage in den neuen Bundesländern ab. Hier wirkt sich die Verlangsamung des wirtschaftlichen Wachstums besonders auf den Ausbildungsstellenmarkt aus.

Ähnliche Entwicklungstendenzen wie in den neuen zeigen sich auch in den alten Bundesländern, wenngleich hier die Lehrstellenlücke nicht das Ausmaß wie in Ostdeutschland erreicht. Erstmals seit Jahren wird es voraussichtlich keinen globalen Angebotsüberhang geben.

Gründe für die gestiegene Nachfrage nach Ausbildungsplätzen sind die weiter deutlich zunehmenden Schulabgängerzahlen und die unverändert hohe Bereitschaft, eine betriebliche Ausbildung zu absolvieren. Darüber hinaus tritt eine Reihe von Altbewerbern auf, denen es in den Vorjahren nicht gelang, einen Ausbildungsplatz zu erhalten.

In den letzten Jahren hat sich das sehr große Ungleichgewicht jeweils abgebaut. Das war darauf zurückzuführen, daß Bewerber eine schulische Ausbildung fortsetzten oder aufnahmen und viele Bewerber aus den neuen Bundesländern eine betriebliche Ausbildung in den alten Bundesländern begannen.

Dieses Jahr zeichnen sich hier Schwierigkeiten ab. Es gibt deshalb politische Anstrengungen, dieser drohenden Lehrstellenlücke mit geeigneten Maßnahmen entgegenzuwirken.

So hat bereits Mitte März die Bundesregierung, gemeinsam mit der deutschen Wirtschaft und der Bundesanstalt für Arbeit die Gemeinschaftsinitiative „Ausbilden - wir machen mit" gestartet.

Darüber hinaus zeichnet sich in den neuen Ländern erneut ab, daß ein Sonderprogramm für die Schaffung von zusätzlichen Ausbildungsplätzen nötig sein wird. Die Bundesregierung ist bestrebt mit den neuen Ländern möglichst schnell eine Vereinbarung abzuschließen, auf deren Grundlage rund 14.300 Ausbildungsplätze entstehen könnten.

In erster Linie müssen aber die Unternehmen selber wieder mehr Ausbildungsverantwortung zeigen, um das Ausbildungsplatzangebot zu vergößern. Der Appell der Bundesregierung geht deshalb in diese Richtung. Aufgefordert sind

  • die Betriebe, Kammern und Tarifpartner, alle Reserven für eine Vergrößerung des Ausbildungs-platzangebots zu mobilisieren,
  • die Kammern, Ausbildungsbetriebe von Kammergebühren zu entlasten,
  • die Unternehmen, ihren Spielraum, den bessere Konjunkturaussichten bieten, vorrangig für die Schaffung von mehr Ausbildungsplätzen zu nutzen,
  • insbesondere ausländische Selbständige, ihr großes, ungenutztes Ausbildungspotential besser auszuschöpfen. Seit Mitte der 80er Jahre ist die Zahl der ausländischen Selbständigen in Deutschland kontinuierlich gewachsen. Bei der Zahl von 245.000 (Stand 1994) handelt es sich überwiegend um kleinere Betriebe, die bisher kaum ausbildeten. Das ist wahrscheinlich weniger auf einen Mangel an Ausbildungsbereitschaft zurückzuführen, sondern vielmehr auf die unzureichenden Kenntnisse über den rechtlichen Rahmen. Dem will die Bundesregierung mit geeigneten Maßnahmen abhelfen.
Weitere Aktivitäten in diese Richtung sind die Schaffung von „Bündnissen für die Ausbildung", die in den vergangenen Jahren in einigen Ländern und Regionen zum Abbau von Lehrstellendefiziten beitrugen.

Die Tarifpartner sollen Maßnahmen zur Erhöhung des Lehrstellenangebots in ihre Tarifverhandlungen einbeziehen.

Der Vorschlag der Bundesregierung zur flexibleren und betriebsfreundlicheren Organisation der Berufsschulzeit zielt ebenfalls auf die Schaffung neuer Ausbildungsplätze. So hat beispielsweise Niedersachsen als erstes Land den zweiten Berufsschultag für Lehrlinge ab dem zweiten Ausbildungsjahr faktisch abgeschafft. Die Zahl der Ausbildungsverträge ist daraufhin entgegengesetzt zum Bundestrend um 1,1% gestiegen.
[Zurück zum Anfang]

Reformprojekt Berufliche Bildung
Wirtschaft, Technik und Gesellschaft befinden sich in raschem Wandel. Entwicklungen in strategischen bedeutsamen Technologien wie der Informations- und Kommunikationstechnologie und der Biotechnologie, der Sprung von der Industrie- zur Informationsgesellschaft, die Globalisierung des Wirtschaftens sowie die damit einhergehende Umgestaltung der Arbeitsorganisation prägen diese Veränderungen. Diesen Herausforderungen kann man sich nur mit einem modernen, leistungsfähigen und effizienten Bildungssystem stellen. Bei den dazu notwendigen Reformen im Bildungswesen geht es nicht nur um die Standortattraktivität für Investoren und die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produkte und Dienstleistungen auf dem Weltmarkt, sondern auch um die Zukunftssicherung der jungen Generation.

Alle Prognosen gehen davon aus, daß an zwei Dritteln aller Arbeitsplätze Fach- und Führungskräfte mit betrieblicher Ausbildung gebraucht werden. Die duale Berufsausbildung gehört deshalb zu den bedeutendsten deutschen Standortvorteilen. Sie ermöglicht es, einen sehr hohen Anteil junger Erwachsener zu qualifizierten Fachkräften auszubilden. Die Vorzüge der dualen Berufsausbildung, der unmittelbare Bezug zum Arbeitsmarkt, das ganzheitliche und handlungsorientierte Lernen in der betrieblichen Praxis, die bundesweit einheitlichen Mindeststandards, welche die Qualität und Transparenz sowie eine breite Verwertbarkeit auf dem Arbeitsmarkt sichern, die primäre Verantwortung der Wirtschaft für die Ausbildung und die Einbindung der Sozialpartner in die Gestaltung, Entwicklung und Umsetzung der Berufsausbildung müssen deshalb erhalten bleiben.

Im Hinblick auf diese Herausforderungen und unter Berücksichtigung des Anspruchs, allen Jugendlichen Vetriebliche Lehre anstreben, eine Ausbildungschance zu eröffnen, sind weitreichende Reformen und eine grundlegende Modernisierung des Berufsausbildungssystems notwendig. Das duale System braucht gestaltungsoffene Rahmenbedingungen, die den Betrieben Raum für betriebsspezifische Differenzierungen und individuelle Förderung von Auszubildenden lassen.

Von der Bundesregierung bereits 1995 eingeleitete Schritte, die die Rahmenbedingungen für die Berufsausbildung betriebsfreundlicher und betriebsnäher gestalteten und die Anpassung der Berufsbilder an den strukturellen und technischen Wandel durch die Entwicklung neuer und modernisierter Berufsbilder forcierten, sollen jetzt durch ein konkretes Reformprojekt konsequent und verstärkt fortgeführt werden.

Die Ziele des „Reformprojekt Berufliche Bildung - Flexible Strukturen und moderne Berufe" sind:

  • Dynamische und gestaltungsoffene Ausbildungsordnungen für eine Arbeitswelt im Wandel
  • Offenhalten der dualen Berufsausbildung als Weg in die Arbeitswelt für alle durch differenzierte Ausbildungsangebote mit neuen Chancen für Leistungsschwächere bzw. Leistungsstärkere
  • Entwicklung neuer und beschleunigte Modernisierung vorhandener Berufe für ein breites Angebot zukunftsfähiger Berufe
  • Moderne Rahmenbedingungen für lebensbegleitendes Lernen in flexiblen Weiterbildungsstruktren
  • Mehr Mobilität in Europa durch transparente Qualifikationen
  • Gleichwertigkeit beruflicher und allgemeiner Bildung
  • Weitere Verbesserung der Rahmenbedingungen für die betriebliche Berufsausbildung
  • Kurzfristige Mobilisierung aller betrieblicher Lehrstellenpotentiale.
[Zurück zum Anfang]

Mehr Mobilität in Europa durch transparente Qualifikationen
Ein Schwerpunkt im Rahmen des Reformprojekts Berufliche Bildung der Bundesregierung beschäftigt sich mit der Frage der Transparenz der Qualifikationen in der Europäischen Union.

Die Freizügkeit des EU-Binnenmarktes und die wachsende Mobilität der Arbeitnehmer verlangen sowohl für die Arbeitgeber als auch für die Arbeitnehmer nach einer Vergleichbarkeit der Qualifikationsabschlüsse.

Die Überlegung einer gemeinschaftlichen Anerkennung von Zertifikaten geht davon aus, daß mit europaweit anerkannten Qualifikationen tarifliche Ansprüche in den Arbeitsmärkten aller Mitgliedsländer verbunden sein sollen. Ein in dieser Form nach Ausbildungsabschlüssen regulierter Arbeitsmarkt ist in Deutschland weder Realität noch wünschbar. Mehr Mobilität erfordert die Deregulierung, nicht aber die weitere Regulierung der Arbeitsmärkte in Europa.

Die europaweite einheitliche Zertifizierung würde zudem statische - wenn nicht gar einheitliche - Systeme voraussetzen und deshalb bei den sich rasch verändernden Beschäftigungssystemen und Qualifikationsanforderungen in Europa folgenlos bleiben

Es kann deshalb nicht um - folgenlose und aufwendige - unionsweite bürokratische Anerkennungs- und Zertifizierungsverfahren gehen. Es geht um mehr Transparenz der Qualifikationen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber in Europa, die innovativen Wandel und Mobilität durch den Wettbewerb der Systeme um beste Lösungen fördert.

Moderne und transparente Zeugnisse öffnen Arbeitsmärkte und sichern Beschäftigung. Ein wettbewerbsfähiges Europa braucht leistungsfähige und das heißt gleichzeitig flexible und transparente nationale Bescheinigungen mit „europäischer Dimension".

Bund, Länder und Sozialpartner in der Bundesrepublik Deutschland befürworten die Erarbeitung von transparenten, beschreibenden mehrsprachigen Bewerbungsbögen und Befähigungsnachweisen (Portofolio-Ansatz). Für alle ab 1996 neuen oder modernisierten Ausbildungsordnungen in Deutschland wird deshalb ein „Ausbildungsprofil" erarbeitet, in dem die Ausbildungsdauer, das berufstypische Arbeitsgebiet und die mit der Ausbildung erworbenen beruflichen Fähigkeiten europaweit verständlich in deutsch, englisch und französisch beschrieben werden.

Die Bundesregierung setzt sich gemeinsam mit den deutschen Sozialpartnern und den Ländern auf europäischer Ebene nachhaltig für die Durchsetzung dieses offenen und flexiblen Ansatzes zur Förderung der grenzüberschreitenden Mobilität von Arbeitnehmern und gegen bürokratische Regulierungen in Europa ein.
[Zurück zum Anfang]

Aktueller Stand der Neuordnungsverfahren
Der Reformprozeß der dualen Berufsausbildung in Deutschland drückt sich auch im Stand der derzeitig laufenden Neuordnungsverfahren von anerkannten Ausbildungsberufen aus. Innerhalb von zwei Jahren werden rund 120 Ausbildungsordnungen mit über 20 völlig neuen Berufen bzw. Fachrichtungen neu geordnet. Für 1996 wurden so 21 neue Ausbildungsordnungen, darunter drei völlig neue Ausbildungsberufe, rechtswirksam. Zum 1. August 1997 werden weiter 47 Ausbildungsordnungen, davon 14 völlig neue Ausbildungsberufe bzw. Fachrichtungen, in Kraft treten, und 1998 wird es voraussichtlich sogar 51 neue Ausbildungsordnungen geben.

Gegenwärtig befinden sich 23 Ausbildungsordnungen im laufenden Erarbeitungs- und Abstimmungsverfahren bei den Sozialpartnern. Das betrifft eine Reihe von Berufen aus dem Gastgewerbe und Dienstleistungsbereich, wie z.B. Hotelkaufmann/-frau, Hotelfachmann/-frau, Restaurantfachmann/-frau bzw. Automobilkaufmann/-frau, Reiseverkehrskaufmann/-frau, Bankkaufmann/-frau, Büroinformationselektroniker/-in.

Für weitere 47 Ausbildungsordnungen ist das Erarbeitungs- und Abstimmungsverfahren in Vorbereitung. Dazu gehört eine Reihe von Berufen aus dem industriellen und handwerklichen Baubereich. Darüber hinaus betrifft es aber auch u.a. Dienstleistungskaufleute, Fachangestellte/r für Arbeitsförderung sowie die Entwicklung einer beruflichen Qualifikation im Bereich der Biotechnologie.

Zwei Forschungsprojekte "Grundlagen für die berufliche Qualifizierung in der Freizeitwirtschaft" und "Grundlagen für die Neuordnung des Ausbildungsberufs Hauswirtschafter/-in" sollen in eine Neuordnung dieser Bereiche münden.

Diese Zahlen stellen die Innovationsfähigkeit des dualen Systems eindrucksvoll unter Beweis. Durch die konzeptionelle Neugestaltung bestehender Ausbildungsberufe und die Schaffung völlig neuer Berufe für Bereiche, in denen es bisher keine vergleichbare Qualifizierungsmöglichkeit gab, gelingt es dem dualen System, die Entwicklungsimpulse in Technik, Wirtschaft und Gesellschaft aufzugreifen und in Maßnahmen der beruflichen Bildung entsprechend umzusetzen. Legt man die neuesten verfügbaren Daten über die Struktur der Ausbildungsberufe von 1996 zugrunde, so werden ab dem Ausbildungsjahr 1997 über 60% der insgesamt 1,6 Millionen Auszubildenden in Berufen ausgebildet, die während der letzten zehn Jahre neu geordnet worden sind.

Im Bereich der Fortbildung treten voraussichtlich 1997 vier Regelungen in Kraft; bei vier Berufen werden Verordnungsentwürfe gemäß Paragraph 246 Berufsbildungsgesetz erarbeitet.

Für fünf kaufmännisch-verwaltende Berufe sind gemäß einer Vereinbarung der Sozialpartner Erarbeitungs- und Abstimmungsverfahren in Vorbereitung. Für eine Reihe weiterer Dienstleistungsberufe werden derzeit Forschungs- und Entwicklungsprojekte im Bundesinstitut für Berufsbildung durchgeführt.
Source: BIBB - Bundesinstitut für Berufsbildung
[Zurück zum Anfang]

 

National VET Systems
Country specific reports

  

 
[ETV News] [Information Resources] [Projects and Networks] [Exchange of views] [Search the ETV] [Register] [Help] [Site map] [Home]